„Musik lauter, Mama!“, rief ich ihr von meinem Maxi Cosi aus zu.

Von der Rückbank im Opel Kadett D mit der Neuen Deutschen Welle über den wahnsinnigen Beethoven bis hin zum geilsten Job der Welt: eine Chronik. 

  • „Ob damals im Opel Ascona, Corsa oder Kadett: Die Lieder von Nena, der EAV oder den Beatles sang Jörg immer so laut mit, dass die Leute an der Ampel oft stehenblieben und reinschauen mussten.”

    Mutter

Song 1

Die Beatles und die Neue Deutsche Welle habe ich auf dem Rücksitz unseres alten Kadett D rauf- und runtergehört. 

 

Song 2

Meine Oma sang, spielte Klavier und Akkordeon, und Sie steppte auch ab und zu, wenn Sie sich unbeobachtet fühlte. Sie liebte Musik. Ich liebte Sie und irgendwann auch die Musik.

 

Song 3

Als ich sechs war, begann die musikalische Früherziehung im Dachgeschoss der Jülicher Musikschule. Und ich war mit dabei. Zusammen mit meinem kleinen Glockenspiel und meiner roten Ledertasche.

 

Song 4

Ich wurde größer. Und das Glockenspiel zu klein. Geübt wie bekloppt habe ich. Auf meiner Flöte. Bach, Beethoven, Mozart und Co. Die waren auch bekloppt irgendwie, glaube ich.

 

Song 5

Ich wurde noch größer. Flöte einmottet. Das animalische Schlagzeugspiel von Alex van Halen interessierte mich von nun an mehr. Viel mehr. Meine Mutter von einem Schlagzeug zu überzeugen: Schwerstarbeit. Mein erstes Set (Sonor Force 2000, schwarz): Aus dem Probekeller zuhause kam ich nur noch nach oben, um zu essen und zu schlafen (und in die Schule musste ich dummerweise auch noch gehen).

 

Song 6

Wie ein Besessener übte ich. Noch schneller und präziser sollte mein Spiel werden (Lagwagon: pah!). Die Nachbarschaft jedenfalls störte es nicht. Hier bedanke ich mich gerne bei Familie Rohowsky (Nachbarn) und bei meinem Schlagzeuglehrer Herrn Rahier (Musikschule Jülich). Seine Hausaufgaben-Kontrolle schob er gerne (immer wieder!) auf Seite für “In Bloom”, “Don’t Call me White” oder “Killing in the Name”.

 

Song 7

Meine erste Band hieß Zool. Wir waren bekannt und ziemlich unbeliebt wie streunende Hunde in unserer kleinen Stadt. Gespielt haben wir trotzdem in allen Jugendclubs rund um Jülich. Nicht immer ‘ne geile Zeit. Punk is not dead.

 

Song 8

Später in Köln wollten wir es dann so richtig wissen. Proberaum. Produzenten (ein Dankeschön an Mirko Rum und Achim Remling! Side-Story: Achim, Junior von Herrn Petry, entschied sich dann irgendwann doch für den Schlager. Shit). Wir schrieben Songs wie verrückt.  Die EMI wollte erst mit uns,… dann aber doch nicht mehr. Wir tourten durch ganz Deutschland. Support von Dog Eat Dog und Revolverheld. Geile Zeit.

 

Song 9

Schlagzeugunterricht nahm ich trotzdem weiterhin sehr gerne. Ich danke Laurent Duclouet (Dante Agostini).

 

Song 10

Mein letztes ernsthaftes Musikprojekt: Paper Skies mit den Singles „Make a Fuss“, „Strain“ und „F44“. Einen Plattenvertrag und eine Tour gab es leider nicht. Dafür jede Menge Kinder. Noch besser! 

Aufnahmen für die Paper Skies EP “Make A Fuss”, Pitchback Studios, Leitung Aljoscha Sieg (2016)

 

Song 11

Die Zugabe. An dieser Stelle danke ich vor allem Philipp Holstein (Ressortleiter Kultur / Rheinische Post). Er hat mich in meiner musik-journalistischen Arbeit stets unterstützt und inspiriert. Ich mag seine Texte. Ich liebe meinen Beruf.

Mein Dank gilt an dieser Stelle auch Axel Hill und Jan Sting von der Kölnischen Rundschau, Felix Klopotek von der Stadtrevue und Georg Howahl von der WAZ.  

 

Jörg (George) Guido Klemenz wurde 1980 in Jülich geboren. Nach dem Abitur 1999 studierte er an der Universität zu Köln Germanistik, Katholische Theologie und Pädagogik. Es folgten beide Staatsexamina (LA). Zudem besuchte er die europäisch renommierte Dante Agostini Drum School. Als Schlagzeuger war er an zahlreichen Bandprojekten live und in Aufnahmestudios beteiligt (u.a. Daniel Merriweather). Mit seiner eigenen Band spielte u.a. als Support für Bands wie Revolverheld, Dog Eat Dog, ZSK oder Audiosmog (Tobi Schlegl).  

Als freier Musikjournalist schreibt er für die Rheinische Post, die WAZ, die Kölnische Rundschau, die Kölner Stadtrevue und den General-Anzeiger Bonn. Er lebt in Köln und ist Vater eines Sohnes.