Hildener Jazztage feiern ihren 30. Geburtstag
Hilden (kle) Festivals haben die Eigenart, ihren Orten für kurze Zeit eine andere Gravitation zu verleihen. Plötzlich kreisen Gespräche um Musik, Konzertzeiten bestimmen den Tagesrhythmus, und Menschen treffen sich an Orten, an denen sie sich sonst nie begegnet wären. Jazz wiederum ist eine Kunstform, die vom Moment lebt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die Hildener Jazztage seit inzwischen drei Jahrzehnten ihr Publikum begeistern. Für ein paar Tage im Juni verschiebt sich in Hilden jedes Jahr der Takt. Die Stadt wird nicht lauter, nicht hektischer. Sie hört einfach genauer hin.
Vom 3. bis 7. Juni feiert das Festival seinen 30. Geburtstag. Drei Jahrzehnte, in denen sich Hilden einen Ruf erarbeitet hat, der weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Während andere Festivals vor allem mit Größe beeindrucken, überzeugten die Hildener Jazztage stets durch ihre Mischung aus künstlerischem Anspruch und persönlicher Atmosphäre. Dass dabei Musiker wie Billy Cobham, Nigel Kennedy, Pee Wee Ellis oder Jeff Hamilton den Weg nach Hilden fanden, spricht ebenso für das Renommee des Festivals wie für sein Gespür für Entdeckungen abseits der großen Namen. Gerade diese Verbindung aus internationalem Format und persönlicher Nähe prägt die Jazztage bis heute. Zum Jubiläum setzt das Programm 2026 genau dort an. Die Mischung aus etablierten Größen und spannenden Neuentdeckungen zeigt, wie breit das Spektrum des Jazz inzwischen geworden ist.
Die Berliner Pianistin Clara Haberkamp beispielsweise gehört seit Jahren zu den interessantesten Musikerinnen der deutschen Szene. Ihr Spiel verbindet lyrische Feinheit mit großer erzählerischer Kraft. Wer erleben möchte, wie zeitgenössischer Jazz klingen kann, ohne sich in bloßer Virtuosität zu erschöpfen, dürfte hier genau richtig sitzen. Wahrscheinlich Höhepunkt des Festivals für viele: das Jeff Hamilton Trio. Hamilton gehört zu den großen Schlagzeugern des amerikanischen Mainstream-Jazz, spielte mit Oscar Peterson, Ray Brown und Diana Krall und verkörpert jene elegante Swing-Tradition, die nie alt wirkt. Künstler wie Ella Zirina, Kinga Glyk, das Andrés Coll Cosmic Trio oder das Lighthouse Trio wiederum zeigen, wie offen Jazz heute klingt.
Das Jubiläumsprogramm der Hildener Jazztage wirkt wieder einmal weniger rückwärtsgewandt als vielmehr neugierig. Mit dem gewissen Blick nach vorn. Oder um es mit den Worten Peter Baumgärtners zu sagen: „Ich habe nie darauf geachtet, dass die Kohle für alle stimmt, sondern dass der Flügel richtig gestimmt ist!“
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