Madison Beer verzückt Fans mit glamouröser Mega-Show

Düsseldorf (kle) Die Fans der US-amerikanischen Sängerin Madison Beer, die gestern Nacht im Rahmen ihrer „The Locket“-Tour ihr einziges NRW-Konzert in der Mitsubishi Electric Halle gab, kann man sich in etwa so vorstellen: Teenager und junge Erwachsene, die einer sehr „Ästhetik“-orientierten Social-Media- sowie LGBTQ+-Community anzugehören scheinen. Im Schlepptau: deren Mütter und (wenige!) Väter, die daran zu erkennen sind, dass sie am Außenrand des Innenraums stehen und darüber staunen, was ihr Nachwuchs so bestaunt. Insgesamt herrscht eine ausgelassene und sehr friedliche Atmosphäre vor Beginn der Show. Dass diese um kurz nach neun nun endlich anfängt – „viele Fans haben schon einen Tag zuvor auf dem Parkplatz der Location campiert“, berichtet ein Sanitäter – kann man einerseits an dem eingespielten Intro „Funnel Of Love“ von Wanda Jackson erkennen (die 14-Jährigen haben den Text voll drauf!) und selbstverständlich an den geschätzten 1000 hochgehaltenen Smartphones der Jugendlichen. Der Vorhang fällt. Wäre der Urknall ein Teenager-Gekreische gewesen, er hätte sich genau so angehört. Zweifelsohne.

Beer steht, wie das nun einmal Pop-Diven im Hochglanz-Format so tun, weit oben auf einer Empore inmitten ihres Bühnenbildes, das an einen märchenhaft-verwunschenen Park mit Seeatmosphäre, ein bisschen sogar an den berühmten New Yorker Bethesda Fountain erinnert. Beinahe hat man das Gefühl, im Inneren von Beers Gefühls- und Gedankenwelt zu stehen. Ihr cremeweißer Corset Slip Dress ist knapp bemessen, ihre koketten Posen, Blicke und Bewegungen lassen die 27-Jährige wie einen im Pop-Labor erschaffenen Star im Rampenlicht erscheinen. „Yes, baby, yes, yes, baby, yes, yes, baby (yes, baby, yes)“, singt Beer. Oder besser gesagt: versucht sie zu singen, denn irgendetwas stimmt nicht so recht mit ihrem Mikrofon. Ein Wackelkontakt? Völlig schnuppe. Wie eine lasziv streunende Siamkatze, die gierig danach ist, beäugt zu werden, überrollt sie zu den druckvollen Beats der Nummer „yes baby“ zusammen mit ihren zwei Tänzerinnen und Tänzern die Sinne der rund 7000 Zuschauer. Ein kollektives Geflashtsein hängt über der Halle wie ein silbrig schimmerndes Fischernetz.

Den zweiten Akt der Show könnte man getrost mit dem Titel „Sonne, Mond und Sterne“ versehen. Songs wie „locket theme“, „healthy habit“ oder „nothing at all“ verleihen dem Konzert einen eigenen Ruhepol-Kosmos. Beer sitzt während dieser Nummern weite Strecken über in ihrem mondweißen Sommerkleid wie die Elbenkönigin Galadriel höchstpersönlich auf dem Bühnenboden und versinkt nicht nur im Kunstnebel, sondern vor allem in Erinnerungen, Sehnsüchten, emotionalen Abhängigkeiten und Selbstreflexionen. Ihr Sound verbindet dabei modernen Pop mit R&B, düsteren Synth-Flächen und emotionalen Balladen. „It's not a healthy habit (I could spare a few) / Like kissing random boys and pretending they're you“. Obwohl sie in dieser Phase des Konzertes auch sehr persönlich zu ihren Fans spricht – „Ein einfaches Mädchen von Long Island hier mit euch zusammen!“ -, wirkt das alles doch irgendwie auch gut inszeniert und choreografiert. Aber wen wundert’s, gehört Beer schließlich zu jener Generation von Popstars, deren Karriere mit gerade mal 13 Jahren (!) im Internet begann und eben da explosionsartig an Fahrt aufnahm. Justin Bieber teilte ihr Cover von Etta James’ „At Last“ auf Twitter und machte sie damit quasi über Nacht weltweit bekannt. Inszenierung ist ihr halbes Leben, so scheint es, und um sie zu kämpfen die andere Hälfte.

Und weil ein dritter Akt nicht fehlen darf, gibt es den gut verpackt als krachigen Höhepunkt der Show. Das Geländer der Spindeltreppe kann gar nicht lang genug sein für Beer, die Tänzer und für deren Räkel-Stelldichein. Diesmal heißt die Nummer „Baby“. Fazit: Wer Lust auf eine Popkünstlerin à la Lana Del Rey, Olivia Rodrigo oder gar Ariana Grande hat, der ist bei Madison Beer gut aufgehoben. Die Mütter und Väter jedenfalls sehen happy aus, ihre Kids wieder in die Arme schließen zu können. Gut gemacht, Frau Beer.


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