Clueso schenkt seinen Fans einen unglaublich schönen Abend
Köln (kle) Thomas Hübner alias Clueso alias Clüdn (Spitzname) ist echt ein cooler Typ. Das zumindest könnte man denken, hat er doch einst ganze drei Jahre (2000-2002) in der zweitschönsten Stadt am Rhein (Köln) gelebt und dort in dieser Zeit die Musikszene miterleben und mitgestalten können. Gestern Abend dann legte der gebürtige Erfurter im Rahmen seiner „Deja-Vu“-Tour mal wieder einen Stopp ein in der nicht ganz ausverkauften Kölner Lanxess-Arena. Und so verlief seine Heimkehr.
„Don’t Look Back In Anger“ von Oasis läuft aus den Boxen, die rund 10.000 Konzertbesucher singen sehnsuchts-triefend „And so Sally can wait / She knows it's too late as she′s walking on by“. Dann, ja dann steht sie einfach so da. Vor ihrem eigenen riesigen Tour-Bühnenvorhang (mit dem Schriftzug „Deja-Vu“). Die Rampensau Clueso. Im Rampenlicht. Mit Gitarre, Wuschelkopf, in einer elegant-weißen Stoffhose. Und er singt „Und sie träumt von Chicago, von Chicago / Irgendwo, wo sie keiner kennt“. So einfach ist das manchmal. Und so schön. Schließlich fällt er, dieser Vorhang. Dahinter: Clüdns achtköpfige Band (darunter drei Bläser:innen!). Die spielt gut. Richtig gut. Voller Power. Voller Lust. Aber vor allem voll echt und ebenerdig. So einfach ist das manchmal. Und so schön.
Danach erzählt der Ex-Wahlkölner ein bisschen etwas über sein damaliges Leben in der Rheinmetropole Anfang der 2000er-Jahre. Wie er das ein oder andere Mal in den Szene-Battles-Clubs ausgebuht wurde, wie der legendäre Stadtgarten zu seinem zweiten Zuhause wurde, wie er am Ende seinen ersten Plattenvertrag abschloss. Ob er in der Kölner Südstadt, in der er lebte, auch das Kölner Musik-Urgestein Wolfgang Niedecken zum ersten Mal getroffen hat, man weiß es nicht. Vorstellen kann man sich das heute Abend allemal, denn kurze Zeit später steht die BAP-Frontlegende höchstpersönlich neben Clueso, und die beiden singen zusammen mit den Zehntausend, wie kann es auch anders sein, „Verdamp lang her, verdamp lang / Verdamp lang her“. Das geht in Köln. Immer. Ein „Heartbreak-Song“ - so bezeichnet Clueso ihn selbst - geht auch immer. Seiner heißt wie sein aktuelles Album „Deja Vu“. Der geht nach vorne. Nicht unbedingt musikalisch. Aber textlich: Doch die Wahrheit ist, ich wünsch' mir / Dass du ohne mich nicht glücklich bist […] / Dass du, wenn du mit ihm geschlafen hast / Aus Versehen meinen Namen sagst“. Bei all dem wirbelt der bald 46-Jährige wie wild auf der Bühne herum, vor und zurück, mal knieend, mal springend. Das erinnert an den jungen Marius Müller-Westernhagen anfang der 1970er-Jahre.
Fünf Punkte aus der Kategorie „Was sonst noch so geschieht“: 1. Clüdn, der Nahbare, im Oberrang inmitten seiner Fans. Großartig. 2. Neue Nummer „Verrückter Sommer“ katapultiert die Arena in ein Bett im Kornfeld. Nur besser. 3. „Cello“ und „Flugmodus“ zusammen mit Johannes Oerding. Nicht schlecht. 4. Duett mit Sängerin Lotte „Wenn du sie liebst / Dann lass sie gehen“. Unter die Haut. 5. Clueso sagt: „Für mich könnte das heute ewig so weitergehen!“ Für die Zehntausend auch. Ganz bestimmt. Auf bald, Clüdn.